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Anne Rauch, Jahrgang 1963, ist seit 2002 Lachyogatrainerin. Die studierte
Soziologin ist beim Gründer der Bewegung, Dr. Madan Kataria, ausgebildet
worden. Lachyoga entstand im März 1995, als sich in Indien erstmals
eine Lachgruppe traf. In Berlin gibt es Lachyoga seit Ende der 90er
Jahre.
Haben Sie heute schon gelacht?
Morgens, wenn ich noch im Bett liege, lächle ich gerne mit geschlossenen
Augen eine Weile vor mich hin und beginne dann zu kichern. Das schwemmt
sofort jede schlechte Laune oder Grübelei weg. Probieren Sie es
mal aus. Das funktioniert natürlich nicht nur morgens.
Gehört Lachen denn zu Ihrem normalen Tagesablauf?
Ich habe immer schon viel gelacht. Seit ich Lachyoga mache, stelle ich
aber fest, dass ich wesentlich schneller als früher einfach lauthals
über irgendwelche Kleinigkeiten loslachen muss, über die ich
früher nur geschmunzelt hätte. Das genieße ich sehr.
Lachübungen mache ich lieber mit der Gruppe. Die Übungen leben
vom miteinander Lachen und sich gegenseitig anstecken. Manche kann man
aber auch gut allein machen, beispielsweise mit einem Spiegel.
Gibt es denn beim Lachen verschiedene Stufen der Meisterschaft,
so was wie ein schwarzer Gürtel im Lachen?
So kompliziert ist es glücklicherweise nicht. Die Übungen
sind sehr einfach aufgebaut, so dass sie jeder machen kann. Wenn es
so etwas wie Stufen gibt, dann nur insofern, wie sehr ich den Verstand
beiseite lassen und mich auf das Lachen und die Faxen einlassen kann.
Die Schule des Lachyoga spricht vom Lachen ohne Grund. Muss
man dennoch Humor haben?
Ich würde es nicht Humor nennen, sondern eher die Lust an einer
kindlichen Albernheit. Das, was man zum Lachyoga braucht, hat jeder.
Auch Menschen, die von sich selbst meinen, sie hätten keinen Humor.
Humor ist immer auch eine Frage des Geschmacks. Ein Witz, den die einen
lustig finden, verärgert oder verletzt die andern. Bei uns geht
es um das Wiederentdecken und Wiederbeleben einer inneren, ursprünglichen
und simplen Heiterkeit und Verspieltheit. Das ist ein wunderbarer Schlüssel,
um die Pforte zum Lachen zu öffnen.
In Ihren Kursen gibt es richtige Lachübungen – was
sind das für Übungen?
Es gibt das Ein-Meter-Lachen, das Cocktail-Lachen...
Ein-Meter-Lachen?
Das funktioniert so, als würde ich ein imaginäres Gummiband
mit meinen Handflächen auf Brusthöhe immer weiter dehnen,
begleitet durch ein....eeeeh...eeeh...eeeeeh..... bis mindestens ein
Meter Spannbreite erreicht ist. Am Ende stehe ich also mit weit geöffneten
Armen da ... und lache aus vollem Herzen. Das klingt vielleicht etwas
merkwürdig und trocken. Aber die einzelnen Übungen bauen sich
langsam auf, von leichtem Kichern zu herrlichen Sachsalven. Man muss
es selbst erleben. Es gibt noch viele andere Übungen, zum Beispiel
das Engelslachen, oder das Jammerlachen, wo man zuerst jammert und dann
lacht.
Versucht man beim Jammerlachen aus einer schlechten Situation
etwas Gutes zu machen?
Es geht allgemein beim Lachyoga nicht darum, immer zwanghaft gut drauf
zu sein oder etwas Unangenehmes zu verdrängen. Beim Jammerlachen
geht es darum, erst mal Jammern zu dürfen und dann in ein Lachen
überzugehen.
Schaffen Sie es eigentlich, jeden zum Lachen zu bringen?
Es liegt nicht in meiner Hand, wie weit und wie schnell jemand bereit
ist, sich aufs Lachen einzulassen. Von Erwachsenen wird ständig
verlangt, vernünftig und kontrolliert zu sein und kaum Gefühle
zu zeigen. Sicher sind manche daher am Anfang noch irritiert, dass sie
nun genau das Gegenteil davon tun sollen. Aber es ist immer wieder erfreulich
zu beobachten, dass die meisten, die anfangs noch skeptisch sind, schon
nach der zweiten Übung zu Kichern anfangen. Manche brauchen aber
auch mehr Zeit, Hemmungen zu lösen. Sehr wichtig ist, dass kein
Leistungsdruck entsteht. Ein tollstes Lachen gibt es nicht, und es geht
auch nicht darum, wer als erstes oder am lautesten lacht.
Was für Menschen kommen denn zu Ihnen?
Der Schwerpunkt liegt bei Menschen über 30, manchmal kommen aber
auch Jüngere, die einfach gern ablachen. Einige sind auch über
60, leben allein, wollen sich aber nicht damit zufrieden geben, dass
sie in ihrem Alltag immer weniger Gesellschaft und Anlass zum Lachen
finden.
Kann zu viel Lachen auch schlecht sein? Muss man nicht auch
mal traurig sein, wird da nichts verdrängt?
Wie schon erwähnt ist der Sinn von Lachyoga nicht, permanent nur
zu lachen. So wie jemand, der gerne joggt, das ja auch nicht den ganzen
Tag lang tut. Zum Menschsein gehört die ganze Gefühlspalette.
Sich dauerhaft in den selben Gefühlen zu befinden ist tatsächlich
unnatürlich, egal in welchem. Doch ich denke mal, dass die Menschen
allgemein bedeutend mehr an zu wenig als an zu viel Lachen kranken.
Bekommen Sie eigentlich nach einer Lachparty manchmal Muskelkater?
Ich nicht mehr. Meine Lachmuskeln sind inzwischen doch ganz gut trainiert.
Aber manchmal bin ich wunderbar schlapp gelacht.
Schlapplachen gibt es also, was ist denn mit totlachen?
Es ist noch kein Fall bekannt, dass sich jemand in einer Lachgruppe
totgelacht hat.
Das wäre, Verzeihung, aber dennoch auch wieder lustig.
Ja, manche vermuten auch, dass das ein wunderbarer Tod sein müsste.
Lachen soll ja sehr gesund sein, auch physisch. Was passiert
da?
Der ganze Körper gerät durch das Ruckhafte des Lachens in
Wallung, in Vibration. Durch die verstärkte Atmung nehmen wir deutlich
mehr Sauerstoff auf, die Durchblutung wird angeregt, die Verdauung ebenfalls
– das Zwerchfell massiert sozusagen die ganzen inneren Organe.
Der Kreislauf wird angeregt, der Puls geht erst mal hoch und senkt sich
danach unter das Ausgangsniveau – der Körper wird also erst
mal belebt und entspannt sich dann sehr tief. Es heißt übrigens,
eine Minute kräftiges Lachen hat einen ähnlichen gesundheitlichen
Effekt, wie 10 Minuten joggen. Das ist doch was, oder?
Und auf psychischer Ebene?
Das wichtigste ist, dass die Gedanken sich verflüchtigen. Man kann
nicht gleichzeitig lachen und denken. Wenn ich mich auf das Lachen einlassen
kann, dann erreiche ich das eigentliche Ziel aller Meditation: Mein
Kopf ist leer, ich bin völlig in der Gegenwart und angenehm befreit
vom ewigen Gedankenstrom.
Was ist mit der Stressreduktion, die auch als positiver Effekt
genannt wird?
Die ergibt sich aus der körperlichen und geistigen Entspannung.
Das Lachen führt zu einem wohligen Gefühl von Zufriedenheit
und Leichtigkeit, alles scheint auf einmal spürbar in Ordnung -
und das mit so geringem Zeitaufwand.
Was ist mit Lachen aus Schadenfreude? Das müsste ja physisch
gesehen genau so gesund sein wie ein fröhliches Lachen.
Physisch vielleicht, aber nicht psychisch. Das Lachen aus Schadenfreude
ist problematisch. Wenn man über andere lacht, ist man in Gefahr,
dass diese beim nächsten Fehler über einen lachen. Man versucht
deshalb krampfhaft, den anderen keinen Anlass zu bieten, sich über
einen lustig zu machen. Das bringt latenten Dauerstress und das vielleicht
kurzzeitig entspannende Triumphgefühl ist schnell wieder futsch.
Wie wichtig ist es denn, über sich selbst lachen zu können?
Das ist sehr wichtig, weil es extrem befreiend ist. Wenn ich über
mich selbst lachen kann, dann muss ich keine Angst haben, mal einen
Fehler zu machen, denn der Fehler liefert sogar noch einen neuen Anlass
zum Lachen! Gerade in diesen stressigen Zeiten, in denen verlangt wird,
dass man alles perfekt macht, ist das Lachen über sich selbst ein
großes Geschenk.
Es gibt auch einen Verband der Lachyogatherapeuten. Da sind
Sie nicht dabei, warum?
Es hat sich in der Entwicklung der deutschen Lachyogaszene irgendwann
mal so ein wenig gezweigt. Es gibt auch eine Diskussion, ob man sich
denn als Lachtherapeut bezeichnet. Ich tue das nicht. Lachen hat eine
sehr therapeutische, befreiende Wirkung und ist vielleicht das großartigste
Urheilmittel, das wir als Menschen mitbekommen haben. Für mich
soll die Sache mit dem Lachen nicht so eine Schwere bekommen, so nach
dem Motto: Ich muss eine Lachtherapie machen.
Die nächste Lachparty findet 18.3.06 im Ballhaus Rixdorf
statt (Beginn: 20 Uhr). Jeden Mittwoch um 19.19 Uhr trifft sich in Kreuzberg
eine Lachgruppe unter der Leitung von Anne Rauch, am 8.4. findet ein
Lachworkshop in Prenzlauer Berg statt und am 26.3. wird um 15 Uhr gemeinsam
mit anderen Lachtrainern im Tiergarten gelacht. Weitere Informationen
unter Tel 626 83 97 oder auf www.lachen-befreit.de
und www.lach-tanz-party.de
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